Apfelschnitz aus Einweckglas in Tristanakkord = *corrente d’aria*

99 Synästhesie der Zeit2Witwesksein heißt im Moment oft: Synästhesie von Vergangenheit & Gegenwart & Zukunft.

Die Witwe, also ich, fahre morgen wieder zur Stunde zu dem lieben Herrn Zerbrechlichunverbrüchlich. Im Moment bin ich nach den Stunden dort amnestisch. Und ich fahre dort auch nicht mehr mit einem Plan hin. Mir macht das Sorge (sogar Angst), diese „Zeitlosigkeit des Unbewussten“ – und gleichzeitig habe ich große Freude an diesen Mikromomenten der Zeitlosigkeit.

All das hat zu tun mit Zwang&Kontrolle vs. Lust&Auf/Abgeben.
All das hat zu tun mit Einkochen&Einfrieren vs. Gegenwärtigkeit = Präsenz.
Mit gescheitertem und gescheitem Haushalten.
Bisschen Vorratswirtschaft dürfte sinnvoll sein, doch immer eingedenk des Stromausfalls und des Hausbrands als lebensweltliche, also realistische, Unfälle (von den exzeptionellen wie Flugzeug fällt aufs Haus, Straße sackt metertief ab, Sprengstoffattentäter verirrt sich hierher etc. abgesehen).
Und immer eingedenk des Todes, den ich in all seiner Präsenz kennengelernt habe.
Ich habe ihn den Roman Nr. 1 erzählen lassen, so gut ich es vermochte. Das haben etliche Verleger mir angekreidet: Was das denn für eine Erzählinstanz sei?! Von so einem wolle doch kein Mensch etwas erzählt bekommen bzw. lesen!!!
Keiner hat irgendwelche logischen Probleme dieser Erzählkonzeption bemängelt, keiner.

Bisschen Vorratswirtschaft dürfte sinnvoll sein; gerade eingedenk des Todes:
Mir ist jetzt, bei den Besuchen jener Konzerte und Opern seit nun einem Jahr (und davor war dort jahrzehntelang Brache in meinem Leben!), immer klarer geworden, dass ich während dieser extremen Gegenwärtigkeit im musikalischen Erlebnis Einweckgläser öffne.
Und während ich die Birnenschnitze und das Apfelkompott und die Schattenmorellen und die Mirabellen aus der Musik fische (und in diesem Moment nicht frage, wie eigentlich der Inhalt jener Einweckgläser aus dem Verschlag unter der Treppe meines Elternhauses dort in die Musik hineingekommen ist), tut sich ein Loch in Raum&Zeit auf und heraus strömt zukünftige Luft.

Apfelschnitz aus Einweckglas im Tristanakkord oder in Salomés Tanz – und schon weht’s und zieht’s einem von vorn entgegen.
Mirwitwe jedenfalls. Und im Moment jedenfalls.
Und es ist gut, bei aller Unklarheit, denn es macht Atmen möglich, seit langer Zeit.

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